Die ökologische Heidebauernwirtschaft als „Exportschlager“

Die Betreiber des Landschaftspflegehofs Tütsberg in der Lüneburger Heide bekamen am 22. und 23. März Besuch von niederländischen Landwirtinnen und Landwirten. Sie gewährten der Gruppe dabei hautnahe Einblicke in ihre Heidebauernwirtschaft.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Bioland-Hof bei Schneverdingen, gut 50 Kilometer südlich von Hamburg, eine Delegation aus den Niederlanden empfängt. Ein halbes Dutzend solcher Gruppen aus dem Nachbarland haben dem Hof bereits einen Besuch abgestattet. Grund dafür ist die Vorbildfunktion, die der Demonstrationsbetrieb in Sachen Heidebauernwirtschaft einnimmt.

Der Landschaftspflegehof Tütsberg gehört dem Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP) an, der sich als “Hüter der Heide” versteht. Das passt, denn der Hof von Dr. Andreas Koopmann und Dr. Heike Brenken setzt auf eine besonders umweltschonende Bewirtschaftung. Er betreibt mithilfe seiner sechs Heidschnuckenherden Landschaftspflege. Hierdurch erhält der Hof wertvolle Ökosysteme und ist identitätsstiftend für die Region.

Auch der Naturtourismus wird gefördert, denn der Hof Tütsberg arbeitet mit einem angeschlossenen Hotel zusammen. Die dortigen Gäste können einem Schäfer beim Ein- oder Austrieb der Heidschnucken auf dem 4.450 Hektar großen Weidegebiet des Hofs über die Schulter schauen.

Bei der sogenannten Hütehaltung werden die Schafe über die großen Heideflächen geführt, sie fressen dabei Heidekraut und Gräser, zertreten Spinnennetze und verbeißen junge Bäume. Ohne diese „lebendigen Rasenmäher“ würde anstelle der Heide ein Wald entstehen. Dank der Hütehaltung des Landschaftspflegehofs Tütsberg wird jedoch eine wertvolle historische Kulturlandschaft erhalten. Sie dient zugleich als Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten, wie beispielsweise das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn.

Das Fleisch der Heidschnucken, die zur Rasse der Nordischen Kurzschwanzschafe zählen und hauptsächlich in der Lüneburger Heide heimisch sind, wird als regionale Spezialität im Restaurant des angeschlossenen Hotels angeboten. Dort gilt das Motto “Wer die Heidschnucke liebt, der isst sie auch.”

Die Schlachterei des Hofs Tütsberg, welche diese Wertschöpfung ermöglicht, stand auch auf dem Besuchsprogramm der Delegation aus der niederländischen Provinz Nordbrabant. Die Hof-Imkerei und den Anbau, sowie die Saatgutvermehrung alter Kulturpflanzen, wie Roggen und Buchweizen, zeigten und erklärten die Hofbetreiber ihren Gästen ebenfalls.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studienreise erfuhren außerdem, wie die Heidebauernwirtschaft mit lokalem Tourismus-Marketing verknüpft werden kann. Denn der seit zwanzig Jahren ökologisch wirtschaftende Demonstrationsbetrieb veranschaulicht der interessierten Öffentlichkeit regelmäßig den eigenen Beitrag zum Erhalt des Ökosystems Heidelandschaft und zur regionalen Esskultur.

Ausgestattet mit all diesen Informationen und Anregungen, wollen nun auch die Landwirtinnen und Landwirte aus Nordbrabant die Heidebauernwirtschaft in ihrer Heimatregion voranbringen. Und die Betreiber des Landschaftspflegehofs Tütsberg und ihre Heidschnucken – die stehen schon bereit für die nächsten Besuchergruppen.

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